Walter Benjamin


Meine Reise führte mich wieder nach Banyuls-sur-Mer. Den kleinen Badeort am Fuß der Pyrenäen, der im 19. und 20. Jahrhundert Heimat bedeutender Künstler wurde, zb. der Bildhauer Aristide Maillol, hatte ich bereits vor eineinhalb Jahren kennen und schätzen gelernt.

Doch bevor ich Quartier auf dem Municipal Campingplatz „La Pinède“ beziehen konnte, musste ich erst noch Wäsche waschen und trocknen. Praktischerweise befindet sich direkt vor dem Carrefour eine dieser Waschautomaten.

Während ich also auf meine Wäsche wartete, gesellte sich jemand zu mir, der sich bald als Deutscher zu erkennen gab.

Dieser Jemand kam dann ohne Umschweife auf das Thema Walter Benjamin und seinen bis heute rätselhaften Tod in dem spanischen Grenzort Portbou zu sprechen.

Tatsächlich ist das Schicksal von Walter Benjamin, aber auch das von vielen Tausend Namenlosen, die in den 40-er Jahren des letzten Jahrhunderts vor den deutschen Nazis über die Pyrenäen nach Spanien fliehen wollten, omnipräsent in dieser Gegend.

Der „Chemin Walter Benjamin“, also die Fluchtroute von Banyuls über die Berge nach Portbou, die Lisa Fittko im September 1940 zusammen mit Benjamin und seinen Begleitern gegangen ist, wird jedes Jahr von vielen Wandern und geschichtlich interessierten Menschen nachgegangen.

Den ersten – und angenehmen – Teil davon, durch die Weinberge im Hinterland von Banyuls, habe ich auf einer Rennrad Tour mit dem Fahrrad kennengelernt. Am Wegesrand findet sich dieses Mahnmal, das sowohl an diese berühmte Flucht des deutschen Philosophen und Geschichtstheoretikers Benjamin, als auch an die Menschen erinnert, die in entgegengesetzter Richtung vor dem Franco Regime aus Spanien flohen.

In dem – nicht enden wollenden, aber auch sehr interessanten – Monolog meines Gegenübers am Wäschetrockner wurde unter anderem das Mahnmal am katholischen Friedhof von Portbou erwähnt. Da ich sowieso nochmal die spektakuläre Küstenstraße fahren wollte, war dies mein nächster Stopp auf dem Weg nach Süden.